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Tony's rein und Tony's raus!

Eine Kollegin rief auf der internen Leitung bei mir im Büro an: "VP, guck dem mal in der grauen Jacke hinterher, geht gerade in Richtung Kasse!"

Ich guckte und sah noch einen Sekundenbruchteil lang, wie der Typ irgendetwas aus dem Schokoladenregal nahm, sich umdrehte, in den Waschmittelgang ging und dieses Irgendetwas dort offenbar in seiner Jacke verstaute. Dann ging er zur Kasse und stellte sich mit seinem Leergutbon in der Hand an das Ende der kurzen Warteschlange.

Schnell sprang ich auf und sprintete nach vorne, auf dem Weg griff ich mir noch einen Kollegen, der mich begleitete. Als wir im Galopp an der Schranke im Eingangsbereich ankamen, bemerkte der Typ uns, drehte sofort um und ging zurück in den Laden. Als ich ihn erreichte, war er schon wieder auf dem Weg zur Kasse, zwischen den Lufterfrischern entdeckte ich eine Tafel Tony's-Schokolade, die dort mit relativ großer Wahrscheinlichkeit nicht hingehört.

Da leicht grenzwertig (aber irgendwie auch nicht, denn Ware in der Jacke ist definitiv ein vollzogener Diebstahl), beschloss ich, den Mann einfach nur rauszuwerfen und zur Vermeidung von unnötigem nicht auch noch das volle Programm durchzuziehen. Da er aber ja einen Leergutbon in Höhe von etwas über dem Kaufpreis der Schokolade, immerhin 4,49 €, hatte, ließ ich ihn die Schokolade davon bezahlen und gab sie ihm natürlich auch mit. Hey, er wollte sie haben, nun hat er sie.

Der Spack fing zwar an zu protestieren und als er draußen sein Fahrrad aufschloss schossen auch schon die wildesten Beleidigungen in meine Richtung, aber die prallten komplett berührungslos an mir ab.

Wie langweilig wäre der Arbeitsalltag, wenn man nicht täglich sein Eigentum verteidigen könnte. Ich habe den Job irgendwann mal gemacht, weil mir die Arbeit mit Ware und Kunden Spaß macht. Ladendiebe gab es auch, gehörten eben gelegentlich mal dazu. Dass das Thema Ladendiebstahl mal eines der Hauptthemen hier werden würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Aber das gehört wohl in unserer Gesellschaft nun dauerhaft dazu …

Zügiges Biereinpacken

Dieser junge Mann steckte sich zunächst eine Dosen Holsten-Bier in den Rucksack und nach einem kurzen Weg zum Getränkekühlschrank noch zwei Flaschen Desperados hinterher.

Der Warenwert belief sich auf "nur" etwas über fünf Euro – aber bemerkenswert ist das Tempo und die Routine, mit denen der Typ die Beute in seinem Rucksack verschwinden ließ …


Coladose in die Jacke

Ein Mann hat sich "unauffällig" eine Dose Cola in die Jackentasche gesteckt. Dummerweise war für die anwesende Kollegin seine gesamte Erscheinung zu auffällig, so dass sie ihn unauffällig (ohne Anführungszeichen) beobachtet hat. An der Kasse hatte der Mann nur noch den Leergutbon in der Hand, nachdem er sich Augenblicke zuvor die Getränkedose aus dem Regal genommen hatte.

Misstrauisch geworden tat er schnell mit seinem Handy beschäftigt, ging zurück in den Laden und deponierte seine potentielles Beute zwischen den Keksen. An der Kasse tat er dann unschuldig, er habe nichts eingesteckt, was er mit Öffnen der Jacke und Zeigen der Taschen bewies.

Eine Anzeige gab es nicht, aber das Hausverbot war ihm sicher …


Wodkamagie

Hinter den Tüten mit den Produkten von Maggi und Knorr hat eine Kollegin eine nur noch zu 2/3 gefüllte Flasche Wodka unserer Eigenmarke gefunden. Das Sicherungsetikett war noch dran, aber schwer beschädigt.

Ich extrapoliere mal aus den mir vorliegenden Informationen: Jemand wollte die Flasche klauen, hat aber die Sicherung nicht abbekommen und hat sich dann für Sofortverzehr vor Ort entschieden. Warum derjenige (oder diejenige, wobei Frauen bei sowas eher die Ausnahme sind) sich die Mühe gemacht und die Flasche hinter die Fix-Tütchen gelegt hat, statt sie einfach irgendwo in das nächstbeste Regal zu stellen, ließ sich nicht ermitteln.

Ebenfalls nicht ermitteln ließ sich, wer das war oder wie lange die Flasche dort schon lag. Im gespeicherten Zeitraum auf unserer Videoauflage war jedenfalls keine Auffälligkeit zu entdecken, auch nicht beim Eigenmarken-Wodka im Spirituosenregal.

Mit komischen Menschen muss man wohl einfach leben …

Geklaute Streichholzschachtelkiste

Ich bin echt fassungslos. Der blaue Kunststoffbehälter, in dem wir in den letzten Wochen auf dem Packtisch die Werbestreichhölzer zur kostenlosen Mitnahme angeboten haben, ist verschwunden.

Zunächst hatte ich ja noch die Hoffnung, dass ein Kollege sie irgendwo hingestellt hat und sie sich einfach nur gut tarnt. Aber, nein, meine Befürchtung bestätigte sich: Auch sie wurde geklaut. Ernsthaft!

Es ist gar nicht der Wert, die blaue Kiste wäre beim Aufräumen der Halle vermutlich früher oder später ohnehin mit im Müll gelandet. Kein nennenswerter Sachschaden (außer, dass ich irgendwas neues basteln muss), aber es geht um die Sache als solche und ich gebe zu, dass mich sowas nur noch ankotzt. Kein Wunder, dass es immer weniger schöne Dinge auf der Welt gibt, wenn sowas immer mehr und häufiger torpediert wird.

Der Täter? Kennen wir nicht. Sah aus wie aus der Obdachlosen- oder Drogenszene und kam auch nur rein, ohne was zu kaufen, hat sich durch die Flyer-Angebote auf dem Packtisch gewühlt und ist dann kurzerhand mit der blauen Box wieder gegangen.


4 x Käse in der Hose

Diese junge Dame hat uns auch mal wieder beglückt. Diesmal hat sie sich nicht ein paar Tafeln Gepa-Schokolade in die Hose gestopft, sondern vier Packungen geschnittenen Käse unserer Eigenmarke aus dem Kühlregal.

Die Frau fiel niemandem auf, aber zum Glück löste der Käse, der bei uns konsequent gesichert wird (ja, sogar die Eigenmarken), den Alarm der Warensicherungsanlage aus.

Da wir ihre Daten bereits hatten, war der Vorgang schnell erledigt. Außer der Anzeige für den erneuten Ladendiebstahl bekommt sie nun auch noch eine für den begangenen Hausfriedensbruch.

Nennenswerte zu erwartende Konsequenzen für die Frau? *lol*

Der Vokabelheft- und Stifte-Dieb

Eine Dose Red Bull wollte der Mann bezahlen, den Stapel Vokabelhefte und die beiden Doppelpacks mit Feinlinern wollte er als kleine Draufgabe so mitnehmen.

Das wäre ihm vermutlich auch geglückt, wenn eine Kollegin ihn nicht zufällig im Vorbeigehen in dem Gang bei den Schreibwaren hätte stehen sehen und gleich beim Anblick des Typen einen kleinen Adrenalinschub inklusive Geläut der kleinen, inneren Alarmglöckchen bekommen hätte.


Kracher

Von dem sich langsam leerenden Aufsteller mit den WM-Krachern hat sich ein Mann wortwörtlich im Vorbeigehen eine Tüte gegriffen und diese mal eben schnell in seinem Hosenbund verschwinden lassen.

Was man eben so erlebt …

Aufgefallen ist es übrigens, weil mit der Mann vor dem Leergutautomaten schon als "VP" (Verdächtige Person) aufgefallen war und ich ihn daraufhin mit der Videoanlage beobachtet habe. Anzeige, Hausverbot, das übliche Programm eben.


Bueno-Dieb

"VP Süßwaren", schrieb mir eine Kollegin per WhatsApp.

Ich schaltete schnell die Livebilder der Videoanlage in den Vordergrund auf meinem PC und erkannte ziemlich schnell, wen sie meinte. Ein Mann schlich hektisch vor dem Süßwarenregal hin und her, seine gesamte Erscheinung war ausgesprochen wenig vertrauenerweckend. Sein Gesicht unter Schirmmütze und Hoodie verborgen, machte er körperlich schon keine gute Figur und seine Hose sah irgendwie schmuddelig aus.

Er nahm schließlich eine 6er-Packung "Kinder bueno" aus dem Regal und verschwand damit in eine Ecke, die ich nicht einsehen konnte. "Na, steckt er sie ein?", überlegte ich – aber nach etwa 30 Sekunden kam der Typ wieder zum Vorschein und hatte zu meiner Erleichterung die Packung doch noch in der Hand. Dann stellte er die weiße Schachtel sogar wieder ins Süßwarenregal zurück. Anschließend ging er zur Kasse, aber nur, um hinter den wartenden Kunden den Laden zu verlassen.

Wir waren uns sicher, dass der Mann klauen wollte und alleine dadurch, dass er so komisch war und wir ihm zu zweit hinterhergucken mussten, wollten wir ihm schon Hausverbot geben. Er sprach radebrechend Deutsch, aber dass wir ihn gesehen hatten und dass er unseren Laden nicht wieder betreten soll, schien er verstanden zu haben.

Thema erledigt.

Am späten Abend zu Hause hatte ich einen blöden Gedanken: Was ist denn, wenn der Typ zwar die bueno-Umverpackung zwar wieder ins Regal gestellt, sich den Inhalt aber dennoch eingesteckt hat? Wäre ja nicht zum ersten Mal, dass so etwas passiert. Ich nahm mir vor, am nächsten Morgen als erste Amtshandlung in der Firma danach zu sehen.

Nun … Das Hausverbot war berechtigt und dass er Dieb nur mit einem Hausverbot und nicht mit einer Anzeige wegen des vollzogenen Ladendiebstahls davongekommen war, war sein Glück.


Käsediebin (+ Honig + andere Waren)

Eine Frau aus der BTM-Szene stecke sich ein Glas Honig unserer Eigenmarke, eine Dose Sprühsahne und eine Packung Vanillesauce in ihre Handtasche und hätte mit dieser Ware im Verkaufswert von rund zehn Euro vermutlich unbemerkt den Laden verlassen können.

Gescheitert ist der unbemerkte Diebstahl daran, dass sie auch noch für rund 60 Euro Käsestücke aus dem Kühlregal mitgehen lassen wollte, der natürlich gesichert ist und folglich den Alarm der Warensicherungsanlage auslöste. Eine Kollegin schaffte es noch, ihr die mit dem Diebesgut gefüllte Tasche vor dem Laden zu entreißen, die Diebin konnte jedoch erfolgreich flüchten.

Auch gut. Wir haben die Ware zurück und eine Anzeige hätte sowieso vermutlich keine nennenswerten Konsequenten für die Frau gehabt.


Geh doch zu Netto! (Aber nicht mit unserem Alkohol!)

Ein Mann kam mit einer leeren "Netto"-Einkaufstüte zu uns in den Laden und legte vier Flaschen Alkohol hinein. Dann wollte er einfach an der Kasse vorbei aus dem Laden gehen, nicht einmal den üblichen Alibi-Einkauf versuchte er dabei.

Weiter als bis zum Ende des Kassentischs kam er jedoch nicht, da die an den Flaschen angebrachten Sicherungen den Alarm der Warensicherungsanlage auslösten.

Der junge Mann aus der Drogenszene war so perplex, dass er gar nicht erst einen Fluchtversuch unternahm. Es folgte die übliche Routine aus Anzeige und Hausverbot …


Eine Flasche Billigkorn

Schon nicht mehr ganz nüchtern war der Mann, der sich mal eben spontan eine Flasche Weizenkorn unserer Eigenmarke in die Jacke gesteckt hatte und damit einfach an den an der Kasse wartenden Kunden vorbei aus dem Laden gehen wollte.

Die auch im Video deutlich sichtbare Flaschensicherung löste den Alarm der Warensicherungsanlage aus und da der Dieb sich nicht ausweisen konnte, durfte er sich eine knappe Stunde bei uns im Lager langweilen, bis die Polizei eintraf …


Gouda-Dieb

Wir hatten uns gewundert, dass ein kompletter Karton Gouda, Eigenmarke in Scheiben, leer war. "Den hatten wir doch erst heute Vormittag ins Regal gestellt", stellte eine Kollegin irritiert fest, "Läuft der so gut?"

Laufen ja. Nur halt nicht im Tausch gegen harte Währung sondern via spontaner Besitzübertragung an einen Mann, der sich als Alibi-Einkauf eine Dose Bier gekauft hatte, während die gelbe Scheibenware in seinem Rucksack darauf wartete, bei einem Quickshop/Kiosk oder Dönerladen in Geld für die Drogenbeschaffung umgetauscht zu werden … (Das war jetzt zugegebenermaßen rein spekulativ. Aber ich glaube, allzu weit entfernt vom tatsächlichen Verlauf der Ereignisse dürfte meine Vermutung nicht liegen.)


Mentos-Dieb

Ein Mann hatte sich etliche Packungen (3er-Packs) Mentos-Kaubonbons quer durch die unterschiedlichen Sorten in seinen Rucksack gestopft.

Das Diebesgut der "Profis" wird immer kurioser. Früher waren es was ausschließlich Alkohol und Kaffee, heute ist es Käse und Schokolade. Unfassbar …


Schriftliche Hausverbotbestätigung

Wir hatten einen Ladendieb im Haus, die Polizei kam auch hinzu, alles Routine, alles friedlich. Nur die Sache mit dem Hausverbot wollte der Typ unbedingt schriftlich von uns haben. "Können Sie ihm da irgendwas aufschreiben?", fragte mich einer der Polizisten.

Konnte ich:

Hausverbot

Wir bestätigen, dass Herr xxx, geb. tt.mm.jjjj in unserem Geschäft Hausverbot auf Lebenszeit hat.

Er darf den Edeka-Markt in der Gastfeldstraße 29-33 in 28201 Bremen nicht wieder betreten.

Bremen, 12.09.2025
Aber ich gebe zu, dass das nun für mich das erste Mal in den vielen Jahren war, dass ich jemandem ein Hausverbot schriftlich geben sollte. Eigentlich reicht das als ausgesprochene, einseitige Willenserklärung. Einseitig ist sie immer noch, aber nun eben in Textform.