Ob die Überweisungen für die Gehälter schon raus sind, wollte ein Kollege wissen. Und ob sein Geld wohl schon am Montag auf dem Konto sein würde.
Ich klärte ihn, über diese Frage etwas verwundert, darüber auf, dass ich ihm vor einigen Tagen bereits den gesamten Nettobetrag auf eigenen Wunsch hin bar ausgezahlt habe. Ich zeigte ihm dabei die von ihm unterschriebene Quittung.
Seine Gesichtszüge entglitten ihm und er musste die Enttäuschung schon sehr unterdrücken. Ich hatte ihm nämlich in diesem Monat eine gute dreistellige Anzahl an Überstunden mit augezahlt und mein Mitarbeiter ging davon aus, dass das bar ausgezahlte Geld lediglich der Anteil für die Überstunden war und das reguläre Gehalt wie immer auf sein Konto überwiesen wird.
Na, ahnt ihr schon, was kommt? Richtig...
Mit der Post kam hier eben eine Initiativbewerbung einer Studentin rein, die einen (Neben-)Job als Kassiererin sucht. Mal gucken, was sie so schreibt:
Sehr geehrte Damen und Herren,
auf der Suche nach einer herausfordernden Nebentätigkeit in der Verkaufsbranche, bin ich bei www.meinestadt.de (Direktlink zu "meinem" Eintrag, B.H.) auf Ihre Adresse gestoßen. Dort wurde ich auf die Vielfalt der Einstiegsmöglichkeiten in Ihrem Unternehmen aufmerksam. Daraufhin begann ich mich näher mit Ihrem Unternehmen zu befassen und stellte fest, dass ich sehr gerne noch viel mehr erfahren möchte.
Der geneigte Blogleser mag dem angegeben Link folgen und nach der angepriesenen "Vielfalt der Einstiegsmöglichkeiten" suchen. Ich habe außer meinem Namen (den sie auch in der Anrede hätte verwenden können), der Adresse, der Telefonnummer und der Branchenangabe keine weiteren Informationen gefunden.
Was versteht sie denn unter "mit Ihrem Unternehmen zu befassen"? War sie hier einkaufen? Oder hat sie den Shopblogger gefunden (Wetten, nicht?!?) und traute sich nicht, das Blog zu erwähnen?
Es folgt der nächste Absatz:
Hiermit bewerbe ich mich um eine Aushilfsstelle als Kassiererin. Ich war sehr beeindruckt, in welcher einzigartigen Form Ihre Firma sich im Laufe der Jahre etabliert hat. Diese positive Entwicklung zeigt die starke Einsatzbereitschaft und das große Engagement Ihres Unternehmens, welches absolut meinen Charakter widerspiegelt.
Dazu fällt mir gar nichts mehr ein. Wer denkt sich solche Formulierungen aus? Das ist doch vollkommen sinnfreies Geschwafel. Kann man damit wirklich den durchschnittlichen Personalverantworlichen beeindrucken oder glaubt die Bundesagentur für Arbeit dies nur?
Ein Aufschrei meiner beim Gemüse packen helfenden Kollegin. "Aaah!!! Da sitzt eine Bestie drauf. Ich dachte erst, das wäre ein Stück Holz und dann habe ich das angefasst und es hat sich bewegt. Die ist fast so groß wie Batman."
Ich sprang von der Kasse auf, um mir die Situation anzusehen. Meine Mitarbeiterin beobachtete aus einiger Distanz, wie ich den niedlichen und etwas unterkühlten Nachtfalter ins Sonnenlicht setzte.
Ein Kollege kam eben ins Büro und sprach scherzeshalber im Jugendjargon: "Hast du mal voll die krasse Telefonkarte, Alta?"
Während ich mit ihm mitging, konterte ich etwa gleichwertig: "Eh, klar gebisch disch die Karte. Mussisch Kunde voll krass Händi aufladen."
Wir amüsierten uns, traten in den Vorraum zu meinem Büro und dort stand allerdings schon unerwarteterweise der Kunde. Ausgerechnet ein ca. 20jähriger Türke. Gesagt hat er ja nichts, auch nicht unfreundlich reagiert. Ich hoffe nur, er hat es nicht gehört oder auf sich bezogen.
Nein, liebe Kollegen, man schlitzt Tabakpakete aus Papier (nennt man die eigentlich auch "Stangen"?) vorzugsweise nicht mit einem Messer auf.
Die einzelnen Päckchen bieten nämlich kaum Widerstand, so dass man nicht merkt, wenn man gerade Sachschaden verursacht.
Vorhin habe ich zufällig in alten Personalunterlagen ein Schreiben eines ehemaligen Mitarbeiters gefunden, in dem er mich um die Zusendung einiger Unterlagen gebeten hatte. Ich fragte mich damals (und jetzt gerade wieder), was einen 25jährigen dazu bewegt, derartige Texte zu verfassen. Und ich überlege, was dieser Mensch wohl in der Vergangenheit mit anderen Arbeitgebern erlebt haben mag...
Sehr geehrter Herr Harste,
anbei schicke ich Ihnen eine Arbeitsbescheinigung, die Sie bitte umgehend Ausfüllen. Ferner möchte ich Sie um Rückgabe meiner Lohnsteuerkarte oder um eine Kopie bitten. Sollten Sie die von mir geforderten Unterlagen, nicht innerhalb einer Woche aushändigen, weise ich Sie mit nachdruck darauf hin, dass dies eine Ordnungswidrigkeit darstellt, laut (§404 Abs. 2 Nr. 19 SGB III), und diese dementsprechend geahndet wird.
Daher würde ich Sie darum ersuchen mir die Unterlagen umgehend zuzusenden.
Heute Morgen sprach mich plötzlich eine Frau im Laden an. Ob ich Björn Harste sei, wollte sie wissen. Ich bejahte und sie stellte sich als Gerichtsvollzieherin vor und bat mich darum, mit mir in mein Büro gehen zu können.
Da ich mir keiner Schuld bewusst war, muss ich sichtlich irritiert gewirkt haben. Sie ergänzte daher noch, dass es sich nicht um eine schlimme Sache handeln würde und wir einigten uns darauf, die Angelegenheit gleich an Ort und Stelle zu besprechen.
Was mich betraf, war der Grund für den Besuch der Beamtin tatsächlich harmlos. Es ging um die Lohnpfändung eines allerdings inzwischen schon sehr lange ausgeschiedenen Mitarbeiters, der offensichtlich gerne viel mit seinem privaten Handy telefonierte. Zumindest ließ das der eingetragene Gläubiger vermuten.
Eine Kollegin fragte mich, ob Kinder eigentlich RedBull kaufen dürften.
"Klar, warum nicht?", antwortete ich.
Sie sah mich ungläubig an.
"Da ist doch kein Alkohol drin.", egänzte ich.
Sie sah das zwar anders, aber zwischen "vom Gesetz her verkaufen dürfen" und "aus persönlichen Gründen nicht verkaufen wollen" besteht nunmal ein erheblicher Unterschied...
Einer meiner Mitarbeiter sollte gebackene Baguettes einpacken.
Einige Zeit später sah ich ihn an der Kasse und fragte ihn, ob er sich inzwischen um die Brote gekümmert hätte. Über die Köpfe der wartenden Kunden hörte ich nur "...runtergefallen...".
Zum Glück nicht die Baguettes, sondern nur der Auftrag.
Auf sehrvielfachen Wunsch hin folgt nun die kurze wie unspektakuläre Erklärung über meinen neuen Personaleinsatzzeiten.
"Früher", also bis vor drei Tagen, hatte ich den Arbeitstag in zwei Schichten aufgeteilt. Frühschicht war von 7 bis 14 Uhr und die Spätschicht von 14 bis 20 Uhr. Es gab ein paar Ausnahmen, aber überwiegend teilte sich der Tag damit in einmal sieben und einmal sechs Stunden.
Für die 24-Stunden-Öffnung musste ich relativ schnell einen komplett neuen Plan improvisieren. Es bot sich an, den Tag in drei mal acht Stunden zu zerlegen. Nun ist grundsätzlich jemand von 6-14, von 14-22 und von 22-6 Uhr hier. Tagsüber mindestens zwei Kassierer/innen, nachts reicht derzeit (noch ) eine Person.
Zusätzlich ist natürlich immer ein Verantwortlicher vor Ort. Die Schichten teile ich mir mit einem Mitarbeiter, den man am treffendsten als Marktleiter bezeichnen könnte - immerhin hat er einen eigenen Schlüssel und darf/kann viele Entscheidungen selber treffen.
[...]
Ein Problem, dass sich gerade auftat, während ich dabei war, diesen Blogeintrag zu schreiben: Was passiert, wenn mein Mitarbeiter Urlaub haben möchte? Dafür muss ich auf jeden Fall eine Lösung finden, denn ich kann schlecht 3 Wochen lang täglich 24 Stunden arbeiten...
Meiner zukünftigen Auszubildenden, die momentan noch bis zum Sommer als Aushilfe hier jobbt, wollte ich heute Morgen gründlich erklären, wie die Platzierung im Zeitschriftenregal aufgebaut ist und wie überhaupt Zeitungen und Zeitschriften gepackt werden.
Es gibt viele Punkte zu berücksichtigen: Zum einen muss eine gewisse Grundordnung herrschen (Themenbereiche, z.B. Fernsehmagazine, Kochen, Yellow Press, Computer, Lifestyle etc.), zum anderen muss man unbedingt darauf achten, auch wirklich die alten Hefte herauszunehmen, damit sie der Remission zugeführt werden können. Die Fristen dazu sind mitunter sehr eng und wer nicht aufpasst kann schnell Verluste im zweistelligen Bereich verursachen.
Was auch immer heute Morgen los war - wir hatten in den ersten zwei Stunden über 70 Kunden. Ich bin eigentlich kaum dazu gekommen, meiner Mitarbeiterin irgendetwas gründlich zu zeigen, denn spätestens nach zwei Sätzen musste sie nämlich wieder zur Kasse rennen.
Aber als Selbständiger sollte man sich ja eigentlich nicht über eine "zu hohe" Kundenfrequenz beschweren.
Anfang Mai erschien ein Mitarbeiter plötzlich nicht mehr zur Arbeit. Am Nachmittag zuvor lachten wir noch und verabschiedeten uns mit den Worten "bis morgen" voneinander - doch am folgenden Morgen erschien er nicht hier in der Firma.
Ich telefoniere meistens nicht mehr hinterher, wenn jemand nicht (rechtzeitig) am Arbeitsplatz erscheint. So auch diesmal nicht. Am selben Tag rief mich später der Vermieter des Mitarbeiters an und erkundigte sich, ob er denn seinen Mieter bei mir erreichen würde, da er ihn dringend sprechen müsse. Ich berichtete, dass ich meinen Angestellten selber vermissen würde und der Vermieter klagte mir sein Leid: Hinter den letzten Mietzahlungen musste er wochenlang hinterherlaufen und die aktuell fällige Miete wäre noch gar nicht bezahlt worden.
Warum er ausgerechnet mir das erzählte? Nun: Mein Mitarbeiter hatte die Schuld für die ausstehenden Mietzahlungen auf mich geschoben. Angeblich hätte ich sein Gehalt gar nicht gezahlt und hätte erst nach langer Diskussion einen kleinen Teil des Geldes ausgezahlt.
Die folgende Woche verging, ohne dass sich mein Mitarbeiter bei mir oder einem seiner Kollegen meldete. Am Wochenende warf ich unter der Aufsicht mehrerer Zeugen die ordentliche Kündigung in den Briefkasten des Betroffenen. Das ist nun etwa drei Wochen her.
Gestern meldete sich der Vermieter erneut bei mir: Er würde gerne sämtliche eingegange Post seines Mieters zu mir bringen, mit der Bitte, dass ich sie dann an meinen Angestellten weitergeben würde. In den letzten Wochen hätte sich nämlich einiges angestaut, wäre aber nicht abgeholt worden. Ich erklärte ihm den Sachverhalt und warum es keinen Sinn ergeben würde, die Briefe bei mir abzugeben. Unter der Post befand sich übrigens auch der mehrfach unterschriebene Umschlag mit der Kündigung und eine weitere Sendung von mir, in der ich die Endabrechnung, Lohnsteuerkarte und andere Papiere zugeschickt hatte...
Bis zu dem Gespräch mit dem Vermieter bin ich eigentlich nur davon ausgegangen, dass mein Angestellter einfach nur kein Interesse mehr daran gehabt hat, bei mir zu arbeiten. Nun habe ich doch einfach mal bei der Polizei angerufen und mich nach ihm erkundigt, zumindest im Rahmen dessen, was mir gesagt werden konnte/durfte.
Nur eins: An dem Tag, als er bei mir nicht mehr erschienen ist, hat er sich bei der Meldestelle abgemeldet und ist seit dem unbekannt verzogen.
Ich werde einfach nicht weiter darüber nachdenken. Ich weiß nicht, ob ich es verstehen werde oder überhaupt verstehen will...
Der Titel dieses Blogeintrages trifft es sehr gut. Mir fehlten tatsächlich im ersten Moment die Worte, als ich dieses Sammelsurium an leeren Dessertbechern und einem schmutzigen Löffel in einem Regal in unserem Kühlhaus hinter einem Karton entdeckte.
Da muss doch tatsächlich jemand aus dem Kreis meiner Angestellten sich immer wieder einfach bedient haben. Ein Kassenbon lag nicht dabei, aber der "Tatort" wirkte sowieso eher so, als wenn jemand heimlich gegessen hätte.
Einziger Trost: Diejenigen (Ex-)Mitarbeiter, die ich konkret verdächtigen würde, können hier sowieso keinen Schaden mehr anrichten.
Aber es ist echt erstaunlich, mit was für einer Scheiße man sich immer wieder herumschlagen muss...
Mit der Post habe ich eine Bewerbung von einer Frau bekommen, die sich in den vergangenen sieben Jahren um ihre Familie gekümmert hat und nun offenbar wieder ins Arbeitsleben einsteigen möchte. Bevor jetzt wieder die üblichen Kommentare wie "Lade sie wenigstens zum Vorstellungsgespräch ein!" oder "Gib ihr eine Chance!" kommen: Ich brauche momentan keine neuen Mitarbeiter!
Dass ich diesen Standard-Arbeitsagentur-Bewerbungsfloskeln ausgesprochen skeptisch gegenüber stehe, erwähnte ich hier ja nun schon mehrfach. Der Anfang dieser Bewerbung, die hier gerade vor mir auf dem Schreibtisch liegt, ist allerdings der Hit:
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Ihrer Filiale in der Neustadt decken Sie den gesamten Haushaltsbedarf ab. Für die Kasse sind engagierte und verkaufserfahrene Kräfte unverzichtbar.