Die am liebsten Null Sterne Rezension
Diese Rezension tauchte vor ein paar Tagen bei Google auf:
Was mich an solchen Texten immer wieder fasziniert, ist die völlige Verschiebung der Maßstäbe. Aus einem möglicherweise etwas flapsigen Satz mit missverstandenem Inhalt oder Kontext wird ein Angriff auf die Würde des Kunden. Aus einem normalen Hinweis zur Warensicherung wird verachtenswerte Unhöflichkeit. Und aus einem lockeren "Du" plötzlich ein kulturelles Problem von nationaler Tragweite.
Vielleicht ist das auch einfach der Preis, den man zahlt, wenn man ein Geschäft betreibt, in dem täglich rund eintausend Menschen einkaufen. Da sind unzählige freundliche Begegnungen dabei, viele nette Gespräche – und gelegentlich eben auch jemand, der seinen Ärger nicht an der Situation selbst, sondern anschließend im Internet abreagiert. Dem muss man sich wohl einfach stellen, was ich hier mit dem Blog ja ohnehin schon seit über zwei Jahrzehnten mache. Ich musste mich sehr beherrschen, den Hinweis auf das Duzen nicht mit dem Satz "Kannst du mir glauben" abzuschließen. Aber das wäre wohl alles andere als deeskalierend gewesen.
Und noch einmal: Ernsthaft? Dafür gleich Anzeige und Meldung an die Edeka?
Jungejungejunge …
Dieser Edeka ist klein. Die Gänge eng & die Waren auf eine merkwürdige Art aufgeteilt.Ich musste eine Weile darüber brüten und schwankte, ob ich überhaupt eine Antwort darauf formuliere oder ob ich diesen Text einfach so unkommentiert stehen lassen. In einem ersten Anflug habe ich diesen Text formuliert, der dann mit rund 3000 Zeichen jedoch für eine Antwort viel zu lang war:
Ok , bis hier hin noch alles ganz in Ordnung.
Doch mein Erlebnis an der Kasse, werde ich definitiv an die Edeka Zentrale weitergeben und denke gegebenenfalls auch über eine Anzeige Ihres Mitarbeiter/ inn nach .
Ich ging normal zur Kasse.
Packte meine Sachen auf das Band & legte eine Tüte zum transportieren dazu .
An der Kasse saß ein Mann ( schulterlange schwarz-graue Haare, kurzer Bart oder Flaum und lackierte Fingernägel ) , er kassierte zuerst das Red Bull, ich bat ihm mir die Tüte zu geben, worauf er mir sagte das die Tüte nicht piept doch die Sicherung des Red Bull's schon . Das alleine war schon frech , aber ok denke ich mir, der hat es vielleicht gerade schwer im Leben.
Als ich dann alles in die Tüte geträumt hatte , musste ich selber nach dem Kassenbon fragen , da er schon den nächsten Kunden bedienen wollte.
Und dann sagte er etwas das mir den Kragen Platten ließ. Er Du'zt mich ( seine Aussage war im Norddeutschland wird jeder gedu'zt ) und meinte ich könnte meinen Kassenbon heute , morgen und das ganze Jahr abholen .
Was für eine verkorkste Edeka Filiale & was für inkompetente Mitarbeiter und Leitung ich hier erleben musste , hab ich in ganz Deutschland noch nie in einem Edeka erlebt .
Der ''Laden'' verdient 0 STERNE & ist absolut nicht empfehlenswert.
Hier wird der Kunde wie Müll behandelt !
P.s. : Herr Björn Harste bei Ihnen im Geschäft scheint dies öfter oder sogar die Regel zu sein ? !
Kunden-Rezession sind sich sehr ähnlich was dies betrifft.
NICHT EMPFEHLENSWERT .
Ich habe nun eine Weile überlegt, ob ich zu dieser sehr emotional formulierten Mail, die offensichtlich eher nach "Dampf ablassen" klingt, überhaupt antworte. Aber ja, das möchte ich an dieser Stelle tun:Vor dem Absenden habe ich den Text dann aber doch noch gekürzt, es sind nun deutlich weniger Zeichen. Außerdem habe ich noch einige Formulierungen entfernt, die eher nach Streitlust als nach Deeskalation klingen. Tut mir Leid, ich bin auch nur ein Mensch und möchte mich verteidigen, wenn ich angegriffen werde – und ja, die Rezension ging auch gegen mich persönlich.
· Dass wir klein sind und enge Gänge haben, ist unseren vier Wänden geschuldet, die wir aus baulichen Gründen auch leider nicht verrücken können. Um ein akzeptables Sortiment auf der für Edeka-Verhältnisse recht kleinen Fläche darstellen zu können, muss man manchmal leider Kompromisse eingehen. Aber (siehe andere Rezensionen) viele Kunden loben uns für das große Sortiment, der Weg dürfte pauschal also nicht so verkehrt sein.
· Tüte und Red Bull: Wir haben bei uns zur Verhinderung von Diebstählen eine Warensicherungsanlage installiert, u.a. sichern wir sämtliche Sorten Red Bull. Wird die Sicherung nicht entfernt, gibt es Alarm, liegt die gesicherte Ware noch auf dem Förderband der Kasse, gibt es ebenfalls einen Signalton. Das war der Grund, weshalb der Kollege vermutlich die Getränkedosen zuerst erledigen wollte.
· Die Frage nach dem Bon soll aktiv von unseren Mitarbeitern ausgehen, und wird (normalerweise) auch gemacht, da wir den Bondruck explizit an der Kasse ablehnen müssen und es daher kein Mehraufwand ist, kurz zu fragen. Dafür kann ich nur um Entschuldigung bitten, das ist nicht die Regel.
· Wir können Bons tatsächlich nach einer beliebig langen Zeit noch ausdrucken, daher tatsächlich auch nach einem Jahr noch, falls jemand den Beleg nach der Zeit noch dringend benötigt. Das war als reine Information gedacht, um auf diese Möglichkeit hinzuweisen und daher erschließt sich bei uns allen nicht, warum das ein Punkt sein soll, der uns in irgendeiner Weise abwertet. · Zum Duzen: Wenn es einem nicht passt, kann man sagen, dass man gerne gesiezt werden möchte und das Thema ist dann erledigt. Aber wir sind hier in Norddeutschland, hier wird unbestreitbar mehr geduzt als woanders, es ist normaler Umgangston bei uns.
· Daraus zu extrapolieren, dass Kunden "wie Müll" behandelt werden, disqualifiziert die Rezension eigentlich schon als einen substanzlosen, emotionalen Erguss, der keine Reaktion verdient. Da sie aber nun hier öffentlich steht, ist eine Antwort wohl berechtigt. Kunden werden bei uns ganz sicher nicht "wie Müll" behandelt, sondern vermutlich zuvorkommender als in anderen Geschäften, was damit anfängt, dass wir Kunden grundsätzlich zur Ware begleiten und nicht mit "dritter Gang links" oder ähnlich nutzlosen Informationen antworten – um nur ein Bespiel zu nennen.
Ich habe eine Weile überlegt, ob ich auf diese Rezension überhaupt antworte – möchte das aber gern tun.Eigentlich pelle ich mir auf die Rezensionen das sprichwörtliche Ei, aber so ein Text geht nicht ganz emotionslos an einem Vorbei und vor allem diese vielen emotional-substanzlosen Formulierungen treffen einen erstaunlicherweise irgendwie schon. Die beiden Androhungen von einer Anzeige und der Meldung an die Zentrale hinterlassen eine seltsame Mischung aus Kopfschütteln und einer Vorahnung, basierend auf der Erfahrung, dass viele Menschen mit aller Kraft und allen Mitteln aus Mücken Elefanten machen wollen.
Unser Markt ist tatsächlich vergleichsweise klein und die Gänge sind teilweise eng. Das liegt schlicht an den baulichen Gegebenheiten unseres Gebäudes. Um dennoch ein möglichst großes Sortiment anbieten zu können, müssen wir hier gelegentlich Kompromisse eingehen. Viele unserer Kunden schätzen genau dieses breite Sortiment auf kleiner Fläche.
Zum angesprochenen Vorfall an der Kasse: Einige Produkte, darunter auch Red Bull, sind bei uns mit Warensicherungen versehen. Wenn diese nicht entfernt werden oder sich noch auf dem Band befinden, kann die Anlage ein Signal geben. Deshalb wollte der Kollege wie üblich zunächst diese Artikel erledigen.
Dass Sie aktiv nach dem Kassenbon fragen mussten, tut mir leid. Normalerweise wird diese Frage von unseren Mitarbeitern gestellt. Tatsächlich können wir Kassenbons auch nach längerer Zeit noch einmal ausdrucken. Der Hinweis unseres Mitarbeiters war schlicht als Information gedacht.
Zum Thema Duzen: In Norddeutschland ist ein lockerer Umgangston nicht unüblich. Wenn jemand lieber gesiezt werden möchte, ist das selbstverständlich kein Problem. Da hätte eine kurze Info an unseren Kollegen geholfen.
Die Aussage, Kunden würden bei uns „wie Müll“ behandelt, kann ich jedoch klar zurückweisen. Freundlicher und hilfsbereiter Umgang gehört für uns selbstverständlich zum Alltag – dazu zählt auch, dass wir Kunden im Zweifel persönlich zur gesuchten Ware begleiten, um nur ein Beispiel zu nennen.
Trotzdem danke für das Feedback.
Was mich an solchen Texten immer wieder fasziniert, ist die völlige Verschiebung der Maßstäbe. Aus einem möglicherweise etwas flapsigen Satz mit missverstandenem Inhalt oder Kontext wird ein Angriff auf die Würde des Kunden. Aus einem normalen Hinweis zur Warensicherung wird verachtenswerte Unhöflichkeit. Und aus einem lockeren "Du" plötzlich ein kulturelles Problem von nationaler Tragweite.
Vielleicht ist das auch einfach der Preis, den man zahlt, wenn man ein Geschäft betreibt, in dem täglich rund eintausend Menschen einkaufen. Da sind unzählige freundliche Begegnungen dabei, viele nette Gespräche – und gelegentlich eben auch jemand, der seinen Ärger nicht an der Situation selbst, sondern anschließend im Internet abreagiert. Dem muss man sich wohl einfach stellen, was ich hier mit dem Blog ja ohnehin schon seit über zwei Jahrzehnten mache. Ich musste mich sehr beherrschen, den Hinweis auf das Duzen nicht mit dem Satz "Kannst du mir glauben" abzuschließen. Aber das wäre wohl alles andere als deeskalierend gewesen.
Und noch einmal: Ernsthaft? Dafür gleich Anzeige und Meldung an die Edeka?
Jungejungejunge …
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