Von dem sich langsam leerenden Aufsteller mit den WM-Krachern hat sich ein Mann wortwörtlich im Vorbeigehen eine Tüte gegriffen und diese mal eben schnell in seinem Hosenbund verschwinden lassen.
Was man eben so erlebt …
Aufgefallen ist es übrigens, weil mit der Mann vor dem Leergutautomaten schon als "VP" (Verdächtige Person) aufgefallen war und ich ihn daraufhin mit der Videoanlage beobachtet habe. Anzeige, Hausverbot, das übliche Programm eben.
"VP Süßwaren", schrieb mir eine Kollegin per WhatsApp.
Ich schaltete schnell die Livebilder der Videoanlage in den Vordergrund auf meinem PC und erkannte ziemlich schnell, wen sie meinte. Ein Mann schlich hektisch vor dem Süßwarenregal hin und her, seine gesamte Erscheinung war ausgesprochen wenig vertrauenerweckend. Sein Gesicht unter Schirmmütze und Hoodie verborgen, machte er körperlich schon keine gute Figur und seine Hose sah irgendwie schmuddelig aus.
Er nahm schließlich eine 6er-Packung "Kinder bueno" aus dem Regal und verschwand damit in eine Ecke, die ich nicht einsehen konnte. "Na, steckt er sie ein?", überlegte ich – aber nach etwa 30 Sekunden kam der Typ wieder zum Vorschein und hatte zu meiner Erleichterung die Packung doch noch in der Hand. Dann stellte er die weiße Schachtel sogar wieder ins Süßwarenregal zurück. Anschließend ging er zur Kasse, aber nur, um hinter den wartenden Kunden den Laden zu verlassen.
Wir waren uns sicher, dass der Mann klauen wollte und alleine dadurch, dass er so komisch war und wir ihm zu zweit hinterhergucken mussten, wollten wir ihm schon Hausverbot geben. Er sprach radebrechend Deutsch, aber dass wir ihn gesehen hatten und dass er unseren Laden nicht wieder betreten soll, schien er verstanden zu haben.
Thema erledigt.
Am späten Abend zu Hause hatte ich einen blöden Gedanken: Was ist denn, wenn der Typ zwar die bueno-Umverpackung zwar wieder ins Regal gestellt, sich den Inhalt aber dennoch eingesteckt hat? Wäre ja nicht zum ersten Mal, dass so etwas passiert. Ich nahm mir vor, am nächsten Morgen als erste Amtshandlung in der Firma danach zu sehen.
Nun … Das Hausverbot war berechtigt und dass er Dieb nur mit einem Hausverbot und nicht mit einer Anzeige wegen des vollzogenen Ladendiebstahls davongekommen war, war sein Glück.
Eine Frau aus der BTM-Szene stecke sich ein Glas Honig unserer Eigenmarke, eine Dose Sprühsahne und eine Packung Vanillesauce in ihre Handtasche und hätte mit dieser Ware im Verkaufswert von rund zehn Euro vermutlich unbemerkt den Laden verlassen können.
Gescheitert ist der unbemerkte Diebstahl daran, dass sie auch noch für rund 60 Euro Käsestücke aus dem Kühlregal mitgehen lassen wollte, der natürlich gesichert ist und folglich den Alarm der Warensicherungsanlage auslöste. Eine Kollegin schaffte es noch, ihr die mit dem Diebesgut gefüllte Tasche vor dem Laden zu entreißen, die Diebin konnte jedoch erfolgreich flüchten.
Auch gut. Wir haben die Ware zurück und eine Anzeige hätte sowieso vermutlich keine nennenswerten Konsequenten für die Frau gehabt.
Ein Mann kam mit einer leeren "Netto"-Einkaufstüte zu uns in den Laden und legte vier Flaschen Alkohol hinein. Dann wollte er einfach an der Kasse vorbei aus dem Laden gehen, nicht einmal den üblichen Alibi-Einkauf versuchte er dabei.
Weiter als bis zum Ende des Kassentischs kam er jedoch nicht, da die an den Flaschen angebrachten Sicherungen den Alarm der Warensicherungsanlage auslösten.
Der junge Mann aus der Drogenszene war so perplex, dass er gar nicht erst einen Fluchtversuch unternahm. Es folgte die übliche Routine aus Anzeige und Hausverbot …
Schon nicht mehr ganz nüchtern war der Mann, der sich mal eben spontan eine Flasche Weizenkorn unserer Eigenmarke in die Jacke gesteckt hatte und damit einfach an den an der Kasse wartenden Kunden vorbei aus dem Laden gehen wollte.
Die auch im Video deutlich sichtbare Flaschensicherung löste den Alarm der Warensicherungsanlage aus und da der Dieb sich nicht ausweisen konnte, durfte er sich eine knappe Stunde bei uns im Lager langweilen, bis die Polizei eintraf …
Wir hatten uns gewundert, dass ein kompletter Karton Gouda, Eigenmarke in Scheiben, leer war. "Den hatten wir doch erst heute Vormittag ins Regal gestellt", stellte eine Kollegin irritiert fest, "Läuft der so gut?"
Laufen ja. Nur halt nicht im Tausch gegen harte Währung sondern via spontaner Besitzübertragung an einen Mann, der sich als Alibi-Einkauf eine Dose Bier gekauft hatte, während die gelbe Scheibenware in seinem Rucksack darauf wartete, bei einem Quickshop/Kiosk oder Dönerladen in Geld für die Drogenbeschaffung umgetauscht zu werden … (Das war jetzt zugegebenermaßen rein spekulativ. Aber ich glaube, allzu weit entfernt vom tatsächlichen Verlauf der Ereignisse dürfte meine Vermutung nicht liegen.)