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Pro: Führerschein/Befähigungsnachweis für E-Scooter!

Disclaimer, bevor das hier jemand falsch versteht: Ich bin kein grundsätzlicher Gegner von E-Scootern. Ich habe die Dinger selber schon benutzt, um in einer fremden Stadt schnell von A nach B zu kommen, und fand sie dabei extrem praktisch. App installieren, Scooter freischalten, schnell durch die Stadt kommen. Eigentlich könnten sie, wie es auch geplant war, ein sinnvoller Bestandteil moderner Mobilität sein.

In der Praxis scheinen sie sich jedoch immer mehr zum bevorzugten Fortbewegungsmittel für Menschen zu entwickeln, denen die Straßenverkehrsordnung zu viele unnötige Details enthält oder die diese maximal als grobe Richtlinie für Langweiler hält.

Es vergeht kaum ein Tag (!), an dem mir nicht jemand auf der falschen Seite entgegenkommt. Gerne mit dem Handy in der Hand, zu zweit auf dem Trittbrett oder mit einem Fahrer, dessen Alter irgendwo zwischen Grundschule und Mittelstufe liegt, aber definitiv noch unter 14 ist. Ob die Scooter überhaupt grundsätzlich Blinker haben, weiß ich gar nicht, aber alternativ könnte man natürlich die Hand herausstrecken, aber die wird natürlich fürs Smartphone benötigt.

Das ist übrigens nicht nur mein persönlicher Eindruck: 2025 wurden in Deutschland 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden registriert – 38 Prozent mehr als im Vorjahr. Klar, mit der Anzahl der Fahrzeuge steigt auch proportional die Anzahl der Unfälle, es wird also nicht grundsätzlich wilder mit den E-Scootern gefahren. Häufigstes festgestelltes Fehlverhalten war die falsche Benutzung von Fahrbahn oder Gehweg. Danach folgten Alkohol und unangepasste Geschwindigkeit. Quasi das komplette Best-of dessen, was man täglich beobachten kann. Auf jeden Fall sind meine täglichen, teils mehrfahren Begegnungen mit Sccoterfahrern, die mir auf meiner Seite entgegenkommen, nicht nur eine gefühlte Wahrheit.
Eine Sache, die ich in keiner Statistik gefunden habe: Offenbar wird auch die Sache mit der Höchstgeschwindigkeit (20 km/h) nicht ganz so streng beachtet. Keine Ahnung, wie einfach es ist, die Fahrzeuge aufzubohren, aber wenn man mit 40 km/ im Auto fährt und so ein kleiner Elektroroller fährt einem davon, dann bin ich sicher, dass das nicht ganz legal war.

Ein E-Scooter ist kein Spielzeug, sondern ein motorisiertes Kraftfahrzeug, mit dem man bis zu 20 km/h schnell zwischen Fußgängern, Fahrrädern und Autos unterwegs ist. Trotzdem darf jeder ab 14 Jahren damit losfahren, ohne jemals nachgewiesen zu haben, auch nur die grundlegendsten (!!!) Verkehrsregeln zu kennen.

Deshalb bin ich inzwischen knallhart für eine Führerscheinpflicht. Dazu stehe ich und meinetwegen beschimpft mich dafür als "alten weißen Mann", aber ich rede nicht von einem Thema, von dem ich keine Ahnung habe, sondern das mir täglich mehrfach begegnet. Es muss ja nicht unbedingt ein ausgewachsener Autoführerschein sein. Eine kompakte Ausbildung mit Theorieprüfung und praktischer Einweisung nach dem Vorbild der Mofa-Prüfbescheinigung würde vollkommen genügen. Aber so amtlich, dass man eben nur mit so einem Schein fahren darf und man muss ihn auch, ganz wie beim Auto, wieder verlieren können, wenn man erfolgreich nachweist, nicht angepasst fahren zu können.

Natürlich verhindert auch ein Führerschein nicht jeden Idioten. Das schafft der Autoführerschein schließlich ebenfalls nicht. Aber das ist kein Grund, komplett auf einen Befähigungsnachweis zu verzichten.

Wer motorisiert am Straßenverkehr teilnimmt, sollte wenigstens einmal bewiesen haben, dass er weiß, auf welcher Straßenseite er fahren muss. Das dürfte keine übertriebene Hürde sein – außer möglicherweise für erstaunlich viele E-Scooter-Fahrer. :|


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Kommentare

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Mitleser am :

Joa, nachvollziehbar, hatte in letzter Zeit auch die ein oder andere Begegnung mit E-Scooter-Fahrern, die für mich als Fußgänger eher "too close for comfort" waren, glaub aber eher nicht daran, dass sich durch eine wie auch immer gearteter Fähigkeitsnachweis irgendwas an der Fahrweise ändert.

Man könnte auch noch einen Schritt weiter gehen und bei unter 14-jährigen E-Scooter-Fahrern mal einen kleinen Hinweis an die Führerscheinstelle geben und dann viel Spaß 5 Jahre später beim Führerschein beantragen ;)

Bei uns gab es früher Verkehrserziehung und den Fahrradführerschein in der Grundschule, macht man das heute nicht mehr?

Naya am :

Ich hab letztens erst wen gesehen, der führte vom eScooter aus seinen Hund Gassi. Einhändig natürlich, weil in der anderen die Leine. Die so lang, daß beide den breiten Weg am See komplett blockierten und eine tolle Stolperfalle transportierten. Und selber in Schlangenlinien fahrend.
Die wurden dann auch noch schlimmer, als ich geklingelt hab, und Herrchen die Leine einhändig versuchte kürzer zu wickeln, um den Hund zu sich zu ziehen. Ob der Hund gehört hätte, wenn Herrchen es mit Rufen versucht hätte? keine Ahnung.

Verglichen damit, was bei dem alles schräg war, sind die eScooter-Fahrer, die an der Ampel schneller beschleunigen als ich mit dem Rad, sich vor mich setzen und mich ausbremsen, und wenn ich endlich Platz zum Überholen hatte, sich an der nächsten Ampel wieder vor mich stellen, um mich dann wieder auszubremsen, wenn ich wieder das Pech einer roten Ampel hatte, bevor der Abstand groß genug geworden ist, ja fast normal ...

Jodelschnepfe am :

Persönlich werde ich den Verdacht nicht los, dass auch die Angehörigen der jeweils zuständigen Polizeibehörden E-Scooter eher als ein Spielzeug sehen und nur wirklich schwere Verstöße im Bereich von Straftaten ahnden.

Holdi am :

Selbst Fußgänger schaffen es hier bei uns auf dem Land nicht, auf der richtigen Straßenseite zu gehen. Wird jetzt in der dunklen Jahreszeit wieder richtig spannend, wenn die dann auch noch unbeleuchtet und dunkel gekleidet unterwegs sind ...

nicht der andere am :

Für den Autofahrer ist es ja vollkommen gleichgültig, ob der Fußgänger auf seiner Seite relativ gesehen vorwärts oder rückwärts geht.

Der Paragraph kann ja ausschließlich dadurch entstanden sein, daß der Fußgänger dann halt ins Grün oder in den Straßengraben ausweichen möge. Der Paragraph wäre sowieso entbehrlich, denn auch nachts und außerorts gilt das asbolute Sichtfahrgebot, also die Anhaltemöglichkeit innerhalb des einsehbaren Bereiches, was mit Abblendlicht höchstens 70 km/h erlaubt. Auf einspurigen Straßen muss ja sogar innerhalb des halben Sichtbereiches angehalten werden können, was dann auf maximal 50 km/h hinausläuft bei gutem Wetter.

Praktisch kein LKW-Fahrer hält sich an seine maximal 60 km/h außerorts abseits der Autobahn und Kontrollen gibt's weder stationär, noch per Fahrtenschreiber, noch im fließenden Verkehr.

Schlaumeier am :

Du sprichst mir aus dem Herzen. Was man da jeden Tag sieht würde langen, um einigen Autofahrern den Führerschein abzunehmen.

Zu zweit auf einem Roller ist ja praktisch Standard, das ist kaum noch erwähnenswert.

Natürlich muss immer eine Hand am Handy sein, damit man auch maximal abgelenkt ist. Lässt sich auch gut mit Kopfhörern kombinieren.

(Blinde) Kurven schneiden und dabei anderen Verkehrsteilnehmern gefährlich nahe kommen — sehr beliebt.

Den unrühmlichen Rekord hält bei uns die Mutter, die regelmäßig mit zwei Kindern, Einkaustaschen am Lenker und Handy auf einem Roller unterwegs ist. Viel scheint ihr nicht an den Kindern zu liegen... Soweit ich weiß, wurde die auch schon der Polizei gemeldet, aber da ist wohl nichts passiert. Zumindest ist sie immer noch unterwegs.

Monimon am :

Offenbar der neueste Trend bei den Jugendlichen hier:
Den E-Scooter nur auf dem Hinterrad fahren.
Mit Vorderrad in der Luft, Lenken und Bremsen sind so absolut unmöglich. Und das natürlich bei möglichst hoher Geschwindigkeit.

Ich dachte, mich trifft der Schlag, als ich das zum ersten Mal gesehen habe, und heute wieder einer...
Okay, da man die Dinger nicht freihändig fahren kann, muss man sich halt was anderes einfallen lassen, um den Darwin Award zu bekommen.
Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!

someone am :

Letztens auch gesehen: Den Motor gegen die Bremsbeläge arbeiten lassen und sich über den stinkenden Rauch freuen, der dabei auftaucht. Mal abgesehen davon, dass ich nicht weiß, wie so etwas in einem vernünftig designten Elektrofahrzeug überhaupt möglich ist (das sollte erstmal voll in Rekuperation gehen, bevor es ggf. zubremst) - vielleicht zu Tode gepatchte Firmware? - ja, Herr schmeiß Hirn vom Himmel.

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