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Die nicht notwendige Zeugenaussage

Wegen eines Ladendiebstahls aus 2023 (!) hatte Ines eine Vorladung zu einer Zeugenaussage in der Hauptverhandlung der Beschuldigten bekommen. Als das Schreiben hier eintraf, hatten wir zunächst etwas Mühe, überhaupt noch etwas über den Jahre alten Vorgang zu finden. Aber mit den uns vorliegenden Unterlagen war es schließlich doch möglich und langsam wurde die Erinnerung wieder konkreter. Die Frau hatte damals eine Tasche voll mit diversen Lebensmitteln geklaut, wollte dann flüchten und wurde an der Ladentür von Ines mit einer herzlichen Umarmung an der Flucht gehindert.

Wir waren also rund eine Viertelstunde vor dem Termin beim Amtsgericht, mussten fast zehn Minuten bei der Sicherheitskontrolle warten, da es ein wie auch immer geartetes Problem mit dem Mann vor uns gab und standen dann um Punkt 11 Uhr vor dem genannten Gerichtssaal auf dem Flur. In der Vorladung stand, dass vor dem Saal gewartet werden sollte und dass die Zeugen aufgerufen werden. Wir setzten uns also auf zwei der dort stehenden Stühle und warteten.

Gegen 11:20 Uhr wurde plötzlich eine hagere Frau in Handschellen von zwei Justizmitarbeitern durch den Flur geführt. In dem Moment klingelte es bei Ines wieder: "Ja, das ist die. Genau!" Ein paar Augenblicke später kam ein junger Mann aus einem Nebeneingang des Gerichtssaals heraus und wir sprachen ihn mal an und fragten, was denn nun mit der Aussage sei. "Öh, keine Ahnung. Wir machen gerade kurze Pause, danach ist schon die Urteilsverkündung. Fragen Sie doch mal den Richter, der ist noch drin", antwortete er.

Wir standen auf und fragten.

Der Richter war ganz überrascht, uns zu sehen. Die Angeklagte hatte nämlich bereits vorab allerhand zugegeben und wir und alle anderen Zeugen sollten am Morgen telefonisch ausgeladen werden. Dieser Anruf kam bei uns zumindest nicht an, aber er hat sich trotzdem sehr gefreut, dass wir so brav hergekommen waren.

Ja, waren wir. Selbstverständlich waren wir das. Wir ärgern uns hier so viel mit Ladendiebstahl herum, dass ich jede Chance nutzen möchte, diesen Leuten das Leben so schwer wie möglich zu machen.

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Kommentare

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Anonym am :

Auch wieder schade zu sehen, dass die Justiz ihr tägliches Geschäft nicht auf die Reihe bekommt. Kam denn sonst irgendeine Information heraus, was das Urteil angeht? - Schließlich wird es ja im Namen des Volkes gesprochen und müsste spätestens mit einer IFG-Anfrage zugestellt werden.

Mitleser am :

Hatte ich auch mal als Geschädigter. Der Angeklagte war noch nicht da und der Richter sagte so sinngemäß, da die Versicherung meinen Schaden bezahlt hat, werde ich nicht benötigt und konnte wieder gehen.

Was eigentlich schade war, da es während der Arbeitszeit war :-D

Schlaumeier am :

Hast Du die Gelegenheit genutzt, den Richter zu fragen, was er mit deinen typischen LDs machen würde, wenn die Staatsanwaltschaft sie ihm mal vorstellen würde?

unregistrierter User am :

Na wenn die Dame in Handschellen zur Pause abgeführt wird, dürfte Euer Ladendiebstahl auch nicht mehr so viel Auswirkungen auf das Gesamtstrafmaß haben.

nicht der andere am :

Sie hat die Anklagepunkte ja weitgehend oder komplett zugegeben. Ob der Diebstahl bei Björn der kleinste oder der größte Brocken war, kann man nicht wissen.

unregistrierter User am :

In Handschellen während der Pause bedeutet, dass sie aktuell im Gefängnis sitzt, resp. U-Haft. Natürlich mag es besondere Fallkonstellationen geben, jedoch ist es nicht normal, dass jemand, dessen "schwerstes" Verbrechen ein Ladendiebstahl war, in U-Haft genommen wird. Selbst bei Serientätern.

Klodeckel am :

Ich kenne das so, dass man sich als Zeuge (wenn die Verhandlung schon angefangen hat) kurz beim Richter anmeldet. Nach der Zeugenaussage darf man dann in der Regel hinten Platz nehmen und die Urteilsverkündung verfolgen, was ich immer sehr gerne gemacht habe.
Ich hoffe, ihr habt euch wenigstens noch das Zeugengeld abgeholt.

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